Der Künstler


Oben auf dem breiten Gesims eines Bodenfensters saß er .. mit langen braunen Locken.

Sein feines Gesicht war krankhaft blaß, seine Brust atmete schwer und langsam, aber seine Augen flammten in blitzendem Feuer, als strahlten sie die Abendlichter zurück, die durch die stillen Wipfelkronen der Eichen flimmerten, die das Haus umstanden.

Er hatte einen Strohhalm in der Hand und tauchte ihn dann und wann in ein kleines Kristallglas voll purpurroten Schaumes, das auf dem Gesims neben ihm stand, und blies prächtige Seifenblasen in die Luft. Immer größer und schöner. Und wie Gold und Purpur leuchtend trieben sie die Gärten hinab, zwischen die ärmlichen, niedrigen Dorfhütten hinein.

Unter dem roten Schaum in seinem Glas jedoch pulsierte, langsam und immer langsamer, ein leise zuckendes Herz.

Drüben über dem Gartenzaun stand ein Haufe Kinder, der sich nach und nach zusammengefunden hatte, ihm zuzusehen, und schrie und lärmte zu dem stillen, einsamen Knaben empor und klatschte in die Hände über das schöne Seifenblasenspiel, das er ihnen vormachte:

„Noch mehr,!  noch mehr !“

Wenn eine davon jedoch zu schwer geraten war und niedersank, so kletterten sie auf den Zaun und schlugen nach ihr und freuten sich, wie sie zerplatzte.

Die Sonne aber sank tiefer und tiefer und die blitzenden Augen des Knaben oben erloschen in gleicher Weise mit der Sonne. Zuletzt blieb nur noch ein einziger Strahl an seinem Glase haften. Wie Golddampf leuchtete es daraus auf und ein zitterndes Purpurwölkchen zerkräuselte sich in der Luft, während die Kinder über dem Straßenzaun drüben johlend in die Hände klatschten ..
nur durch die Kronen der alten Eichen schauerte ein heimlicher Windstoß.

„Seife hätt’s auch getan!“ meinte der Totengräber am anderen Tag, „und er wäre dann noch am Leben!“

„Seife .. hätt’s auch getan!“

Cäsar Flaischlen (Heimat und Welt, Egon Fleischel & Co, Berlin, 1916, Seite 124)