Ellwangen


1871 zog die Familie Flaischlen von Stuttgart nach Ellwangen, wo der Vater als Bezirkskommandeur, kurz darauf als Major bis zu seiner Erblindung (1875) wirkte. Cäsar Flaischlen besuchte dort bis zur vierten Klasse die Schule, wechselte dann 1877 auf das Stuttgarter Karlsgymnasium. In „Cäsar Flaischlen, Beitrag zu einer Geschichte der neuen Literatur“ schildert Georg Muschner-Niederführ 1903 Kindheit und Knabenjahre Flaischlens.

Als Siebzehnjähriger beschreibt Cäsar Flaischlen den Ort seiner Kindheit (1884 veröffentlich in „Nachtschatten“):

Gymnasium und evang. Kirche Ellwangen, Ansichtskarte, 1907

.. Wenn du fremd wärest
und dich verirrt hättest auf der Reise
in diese weltabgelegene Gegend,
du würdest Rast halten
und es würde dir gefallen,
das alte Städtchen, mit seinen braunen
hochgiebeligen, engverbauten Häusern
und seinen winkeligen, schmalen
Durchgängen und Gäßchen.
Die graue Pfarrkirche drüben
mit den Ecktürmchen
und vielen Fensterchen
und dem silberhellen Glockenspiel Sonntag morgens.
Das alte, baufällige Rathaus am Marktplatz,
der künstliche, immerlaufende Brunnen im Hof,
die alten Mauertrümmer
und die blühenden Gärten davor
und die Lindenallee
rings um das Städtchen
und auf dem Berg das alte Schloß
und die Wallfahrtskirche
mit ihren schlanken, weißen Türmen

Gewiß, wenn du aus der Ferne kämst
und wärest fremd,
gewiß, es gefiele dir bei uns
so gut, wie anderswo.
… Vielleicht … besser …

 

Wer war eigentlich… Cäsar Flaischlen, nach dem eine Straße auf der Wolfgangshöhe benannt ist?

Ein Dichter „mit Güte und Liebe“

Auf der Wolfgangshöhe, abzweigend von der Hohenstaufenstraße, verläuft der Cäsar-Flaischlen-Weg, eine ruhige Wohnstraße mit nur wenigen Einfamilienhäusern. Wer war eigentlich Cäsar Flaischlen? Welche Beziehungen hatte er zur Stadt Ellwangen?

Von Rudolf Grupp

ELLWANGEN. Bei Frauenarzt Dr. Wolfgang Schmid haben sich glücklicherweise noch einige Unterlagen gefunden, die Antwort geben können, wer Cäsar Flaischlen war. Er wurde 1864 in Stuttgart geboren. Sein Großvater war evangelischer Pfarrer, sein Vater Berufs-Soldat, („eine kernige Soldatennatur“), seine Mutter eine dichterisch veranlagte Frau, die in ihn „Güte und Liebe, Wahrhaftigkeit, Reinheit und Treue“ pflanzte, wie es in der Grabrede hieß.

In Ellwangen, im Haus Marienstraße 22 verbrachte Cäsar Flaischlen einen großen Teil seiner Jugend. Noch an seinem späteren Wohnort Berlin erinnerte sich Cäsar Flaischlen gerne an die Ellwanger Zeit: „Es ist meine ganze Kindheit, die sich mit Ellwangen verknüpft, mein erstes Erwachen zum Menschen, Eindrücke und Erinnerungen, auf denen mein ganzes Leben sich aufbaute“. Das Haus wurde später von der Familie Schmid erworben: der Vater von Dr. Wolfgang Schmid war praktischer Arzt.

Cäsar Flaischlen war zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein viel gelesener Schriftsteller und Dichter. Mit „Hab Sonne im Herzen“ wurde er weit bekannt, auch auf zahlreichen Vortragsreisen. Er war der „wahrheitssuchende Mensch des Alltags, der seine Mitmenschen trösten und aufwärts reißen wollte“.

In der Grabrede des Stadtpfarrers Geißer aus Künzelsau hieß es noch sehr emphatischer: „Es war ihm ein heiliges Muss, mit der vollen Kraft seiner Seele, mit der ganzen Glut seines Herzens sein Volk zu heben und zu führen aus dem dumpfen Alltag auf die lichten Höhen froher, freier Menschlichkeit und ihm Sonne ins Herz und Eisen ins Blut zu geben.“

Cäsar Flaischlen ist am 16. Oktober 1920 im Sanatorium Schloss Hornegg bei Gundelsheim am Neckar an einer Lungenkrankheit gestorben. Die letzten Wochen seines Lebens sind von seiner Frau Dillie (Edith) aufgeschrieben worden. In Berlin und an anderen Orten wurden „Cäsar-Flaischlen-Gesellschaften“ gegründet, die aber im Strudel der Inflation den Druck des Nachlasses nur schwierig finanzieren konnten. Begraben ist Cäsar Flaischlen an seinem Heimatort Stuttgart.

SP vom 11. August 2005 (pdf) mit freundlicher Genehmigung der Schwäbischen Post

 

Siehe auch: Berühmte Schüler des Ellwanger Gymnasiums, Quelle: Festschrift (von 1958) „300 Jahre Peutinger-Gymnasium in Ellwangen (Jagst)“, Verfasser: Dr.Franz Fischer (1912 – 1997).