Göppingen


Auszug aus dem Sonderdruck „Taufpaten für Göppingens Straßen“, der auf die Artikelserie der Göppinger Kreisnachrichten aufbaut, die von Ende Mai 1977 bis Ende November 1979 in der NWZ, erschienen ist. Idee und Text: Fritz Eisenmann.

„… Im 1. Weltkrieg sollen Flaischlens Gedichte und Romane zu der Haupt-Schützengrabenlektüre der geistig interessierten deutschen Jugend gehört haben, denn unseren literaturbeflissenen Altvorderen galt der als Sohn eines Majors am 12. Mai 1864 in Stuttgart geborene Cäsar Flaischlen als einer der größten Dichter deutscher Zunge. Auch Bundespräsident Heuss (*1884 † 1963) hat ihn noch sehr geschätzt, „diesen Poeten des heiteren Glanzes und der reinen Rhythmen, dem die Gleichsetzung von Dichtertum und Menschentum eine entscheidende Parole bedeutete“. Uns Heutigen aber ist Flaischlen nahezu gänzlich unbekannt.
Nach der Schule lernte Flaischlen Buchhändler und war in diesem Beruf auch in Brüssel und Bern tätig. Dann studierte er in Berlin, Heidelberg und Leipzig, machte seinen Dr. phil. und zog 1891 nach Berlin. Dazu eine Bemerkung von ihm: „In Stuttgart blüht mein Lorbeer nimmermehr, Berlin ist die Stadt der Jugend.“ In der Reichshauptstadt redigierte er von 1895 bis 1900 die Kunstzeitschrift „Pan“, die in 21 Heften erschien. Das gilt aus heutiger Sicht als Flaischlens bedeutendste Leistung: Mit „Pan“ habe er die moderne und anspruchsvolle Kunstzeitschrift für Deutschland geprägt und durchgesetzt.
Eine zeitgenössische schwäbische Literaturgeschichte hatte sowohl zum Berlin-Aufenthalt als auch sonst zu Flaischlen Kritisches anzumerken:

„In Berlin hat er sich der herrschenden Strömung in die Arme geworfen. Doch verleugnet er in seinen literarischen Schaffen sein Schwabenthum nicht ganz, hat er sich doch mehrfach mit schwäbischer Literaturgeschichte beschäftigt und ein Bändchen schwäbischer Dialektpoesie auf den Markt gebracht. Bei entschiedenem Talent und hohem Streben läßt er zu sehr die Festigkeit der Ruhe, Sicherheit und Reife des fertigen Künstlers vermissen.“

Sein am berühmtesten gewordenes Gedicht „Hab Sonne im Herzen“ werten heute Kritiker als „lyrischen Slogan der Epoche des Plüschs und der wilhelminischen Pickelhaube“. Doch neben „solcher gleichsam handgewirkter Poesiealbumdichtung“ habe er ein halbes Dutzend Gedichte von bleibendem Wert geschaffen, etwa „Das Lied von der letzten Rose“ und „Wassergang“, seine Mundartgedichte sind in den Bändchen „Vom Haselnußroi“ und „Von derhoim und drauße“ gesammelt. Daneben schrieb der vom Naturalismus ausgehende Flaischlen noch – heute ebenfalls vergessene – Dramen und Romane wie Jost Seyfried“ und lieferte literaturhistorische Arbeiten. Am 20. Oktober 1920 starb Flaischlen in Gundelsheim, und begraben ist er, dessen Werk in sechs Bänden nach seinem Tod erschien, in einem Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof.“

 

Foto: MorgueFiles vy Tolea„Ehren-Schlaraffe“

Dr. Cäsar Flaischlen wurde postum zum Ehren-Schlaraffen bei der Vereinigung Schlaraffia Reych Nr. 268 „Am Stauffen„, Göppingen, ernannt. Er hat dort den Namen (Ritter) Jost Seyfried.
Bei Schlaraffia werden Ehren-Schlaraffen gerne rezitiert, so z. B. Heinz Erhardt (ES Alberich von Schalk), Hermann Löns (ES Mümmelmann), Robert Stolz (ES Servus Du), Johann Wolfgang von Goethe (ES Faust), Friedrich von Schiller (ES Funke), oder Peter Paul Rubens (ES Malerfürst).