Ingelfingen


Der Literat verbrachte in Ingelfingen seine beiden letzten Lebensjahre, bevor er in Gundelsheim verstarb. Er wohnte von 1918 bis 1920 im Neuen Schloß.

Auszug aus dem Buch
„Das Ingelfinger Schloss – einst Residenz, heute Rathaus“
Die Autoren sind: Rainer Gross, Heinrich Ehrmann, Wolfgang Kunzfeld, Walther-Gerd Fleck.
Ein besonders schönes Buch in aufwendiger und kreativer Bearbeitung über die bunte Geschichte des Ingelfinger Schlosses und der Menschen, die in und um das Schloss gelebt haben. 130 Seiten mit 150 Abbildungen, vielen Fakten, interessanten Daten, Karten- und Originalbildmaterial, auch von Vereinen und aus privaten Händen.

„… Fast hundert Jahre gingen ins Land, ehe wieder ein berühmter Dichter Ingelfingen für sich entdeckte. Die Rede ist von Dr. Cäsar Flaischlen (1864 – 1920), dem schwäbischen Dichter und Literaten, der sich in der Berliner Literaturszene um 1900 etabliert hatte. Als Rezensent und als Herausgeber der Literaturzeitschrift „Pan“ war er bekannt geworden. Berühmt wurde er durch seine Gedichte. Diese trafen so genau die Erwartungen und Bedürfnisse der Leser und Leserinnen, dass sie viele Auflagen erreichten. Flaischlens Botschaft würde man heute als Aufforderung zum positiven Denken verstehen, und diese Botschaft war im Ersten Weltkrieg besonders gefragt. Die sehr populäre Feldausgabe seiner Gedichte gelangte im Tornister der Soldaten an die Front. An der Heimatfront war Flaischlen unermüdlich tätig mit Vorträgen und Lesungen, in denen er Trost und Ermutigung durchaus auch im nationalen Tone vermittelte. Man wird dem Autor nicht gerecht, wenn man ihn als deutsch-national und seine Gedichte als trivial abtut. Flaischlens Werke sind unpolitisch und sprechen von Freud und Leid und dem hohen Wert der Menschlichkeit.
Mehrfach machte er Urlaub in Ingelfingen. 1919 mietete er sogar eine Wohnung im Schloss. Leider starb er schon am 16. Oktober 1920 in Gundelsheim. Seine Frau verfasste einen Nachruf auf ihren Mann, in dem das Kochtertal als abgelegene Landschaft der Stille beschrieben wird:

Als es Sommer wurde, wollten wir – wie schon im Vorjahr – wieder nach unserem lieben Ingelfingen. Cäsar bedurfte der inneren Ruhe. Er hatte im Winter viele anstrengende Vortragsreisen gemacht – es war Zeit, daß er sich Muße gönnte … Der Zug rollte endlich davon, in die Nacht hinaus, und als der Morgen graute, waren wir schon in Würzburg, und am frühen Nachmittag fuhren wir bei herrlichstem Sonnenschein in einem offenen Wägelchen durchs liebliche Kochertal, Ingelfingen zu.
Im alten hohenlohischen Fürstenschloss hatten wir einige Zimmer inne. Sie waren festlich und sommerfroh geschmückt, das neue Speisegeschirr stand auf dem Tisch, und im Bügelzimmer begann ein Schwalbenpaar zu nisten.
Sonst war alles, wie es immer war.
Der Brunnen im Schlosshofe plätscherte, die Rathausuhr schlug, still zog der Kocher seine Bahn, und die Sonne lachte. Jeder Tag war selig schön, und Cäsars Nerven fingen an sich zu beruhigen. Vormittags badeten wir öfters im Fluss, nachmittags gingen wir auf die Höhe, durch den Wald, er immer mit Gedichtblättern in der Tasche. Oft wanderten wir auch im Mondschein am Kocher entlang, nach Criesbach zu.
… Es gab auch allerlei Abwechslung: Besuch aus Berlin, Dresden, Heidelberg, Ulm. Dann stieg Cäsar mit der großen Zinnkanne in den Keller hinab und holte Wein aus unserem „Fässle“ … Ein freudiges Erlebnis war uns der Nachmittag des 11. Septembers, an dem wir die Ehre hatten, den König von Bulgarien, den wir schon im vorigen Jahre begrüßen durften, bei uns zu sehen …

Es ist anzunehmen, dass Flaischlen einige der Gedichte in Ingelfingen verfasste, die in dem Band „Mandolinchen, Leierkastenmann und Kuckuck“ enthalten sind. Diese Gedichtesammlung hat seine Frau 1921 herausgegeben.“
Noni Loni wurde im Schloß druckfertig gemacht.

Matinee in Ingelfingen, 2003