Stuttgart


Cäsar Flaischlen wurde am 12. Mai 1864 in Stuttgart im Haus Rotebühlstraße 63 geboren.

 

Info des Stadtarchivs Stuttgart:

Im Stadtarchiv können noch heute die Straßenbenennungsakten eingesehen werden; die einschlägigen Ratsprotokolle sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Darüber hinaus befinden sich in der Autographensammlung des Stadtarchivs Stuttgart eine größere Zahl von Briefen Cäsar Flaischlens. Auch die personengeschichtlichen Sammlungen enthalten vielfältige Unterlagen zur Person Flaischlens und in geringerem Umfang auch über die nach ihm benannte Straße.


Aus Anlaß des 75. Todestages des bedeutenden Literaten erschien in der Stuttgarter Zeitung nachstehende Glosse:

Auszug aus der Stuttgarter Zeitung vom 14. Oktober 1995:
Sonne im Herzen
Ave Cäsar
Unvergessen! So schwören oft Hinterbliebene, wenn ein lieber Mensch das Zeitliche gesegnet hat. Gleich darauf bricht die große Erinnerungsschwäche aus. Unser Gedächtnis hat keine Marathonqualitäten. So ergeht es auch Cäsar. Nein, nicht dem römischen Feldherrn, sondern dem Stuttgarter Schriftsteller mit dem schönen Namen Cäsar Flaischlen. Auch ihm haben sie vor 75 Jahren ewiges Andenken geschworen, nachdem er am 16. Oktober 1920 sechsundfünfzigjährig in einem Sanatorium bei Gundelsheim verblichen war. Und heute? Ja, ja, wir haben die Cäsar-Flaischlen-Straße nahe dem Stuttgarter Herdweg. Aber wer, bitte schön, kennt noch eines seiner Dramen? Wer kann noch eines seiner Gedichte aufsagen? Eben.
Dabei war dieser Cäsar, als Sohn eines Hauptmanns 1864 in der Rotebühlstraße geboren, ein Feldherr des Wortes. Als Schüler des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums schmiedete er Verse. Als Lehrling in der Metzlerschen Buchhandlung nahm er, der Seriositiit zuliebe, den Vornamen Otto an und reimte ohne Unterlaß weiter. Und als er nach Studien in Berlin und Leipzig schließlich den Doktortitel errang, hatte er seinen ersten Gedichtband längst heraus gegeben. Er lebte nur, wenn er schrieb.
Weil er – auch so einer – schon damals fürchtete, daß „in Stuttgart mein Lorbeer nie und nimmermehr blüht“, emigrierte er 1890 nach Berlin, wurde Literaturredakteuer, schrieb Gedichte, Schauspiele und Aphorismen~ und wurde in den höchsten Tönen gerühmt: als „Beichtvater der gesamten jüngeren Dichtergeneration“, als „Revolutionär“. Und so weiter und so fort. Bloß in der schwäbischen Literaturgeschichte mäkelte einer herum, man vermisse „die Reife des fertigen Künstlers“. Und zu seinem 40. Todestag bescheinigte ihm ein hochmögender Rezensent, Cäsar sei halt ein schwungvoller Stilisierer gewesen, aber „kein großer Dichter“.
Wir wollen dieses Urteil nicht anfechten. Wir stellen nur mit banausenhafter Genugtuung fest, daß exakt jene Verse überlebt haben, die dem Poeten Flaischlen einst Hohn und Spott der Literaturkritik eingetragen haben. Er war eben nicht nur ein ehrgeizige Poet, sondern auch ein schwäbischer Romantiker, dem ein wärmender Sonnenstrahl über alles ging. Deshalb veröffentlichte er den Gedichtband „Von Alltag und Sonne“, dessen Auflage zweihunderttausend Exemplare überschritt. Ein richtiger Bestseller also.
Und genau in diesem Werk steht das Gedicht, das viele noch kennen, ohne zu wissen, daß es Cäsars Werk war: „Hab Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit … hab Sonne im Herzen, dann komme was mag: das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag.“ Klar, für solche Reime gibt es keinen Stammplatz in der Literaturgeschichte. Eher schon im hintersten Winkel mancher. Leserherzen. Wo es gemütlicher ist, mag jeder selbst entscheiden.
Modern, berühmt, en vogue, in, aktuell, geil: nein, das ist er nicht mehr, unser Dichter Cäsar. Aber lesenswert sind seine Stücke noch immer, vor allem, wenn sie auf Stuttgart von anno dazumal anspielen. Und wenn sich jemand, zum Beispiel vom verehrlichen Schriftstellerverband, am Montag die Mühe machte, dem Kollegen zum Todestag ein Ave-Cäsar-Sträußle aufs Grab zu legen (Adresse? Pragfriedhof, vorderer Teil, vor dem Krematorium!), dann hätte dies wenigstens etwas Gutes: Dann wären die damaligen „Unvergessen!“ Schwüre ausnahmsweise nicht ganz verlogen gewesen.

Martin Hohnecker

 

Cäsar-Flaischlen-Straße Stolpersteine in Stuttgart

Cäsar-Flaischlen-Straße 7:
Gedenken an Gottfried und Selma Gumbel geborene Frank.