Sonne im Herzen


Cäsar FlaischlenHab Sonne im Herzen entstand wohl 1894 auf sonnigen Frühlingswanderungen*. Veröffentlicht wurde das Gedicht erstmals im Programmheft der „Neuen Klause“ (Verein zur Pflege Deutscher Dichtung). Noch lange bevor die Gesundheitspsychologie die Kraft des „positiven Denkens“ als heilende Kraft beschrieb, formulierte Cäsar Flaischlen im Sonnengedicht die Zuversicht als sein Lebensmotto.


„Hab Sonne im Herzen“ (deutscher Text) wurde schnell zum geflügelten Wort und in mehrere Sprachen übersetzt (dänisch, englisch, türkisch), oft nach der Melodie „Der Mai ist gekommen“ gesungen, aber auch in weiteren zahlreichen Versionen vertont | Hörprobe des Gesangvereins Schlaifhausen (hier nach Carl Frey).
In der Türkei landete die Gruppe Kızılırmak mit dem türkischen Text „Günesin olsun gönlünde“ einen Hit und auch Chris Roberts verwendete das Sonnengedicht in einem seiner Schlager. Anfang der 50er Jahre wurde ein Film mit dem Titel Hab‘ Sonne im Herzen mit Liselotte Pulver gedreht.

 

Berlin alexanderplatz, Postkarte, 1905Ein Denkmal hat der große Alfred Döblin unserem Cäsar Flaischlen 1929 gesetzt: Nicht in einer beiläufigen Notiz hat Döblin Flaischlens Sonnengedicht gedacht, sondern in seinem epochalen Roman „Berlin Alexanderplatz“( A. Döblin, Berlin Alexanderplatz, dtv-Ausgabe, Seite 406).

„Und als ein fliegender Buchhändler eines Tages bei schauerlichem Regenwetter auf der Straße stand und über seine Einnahmen wetterte, trat Cäsar Flaischlen an den Bücherkarren. Er hörte sich das Gewettere ruhig an, dann klopfte er dem Mann auf beide nassen Schultern und sagte: Lass das Gewettere, hab Sonne im Herzen, so tröstete er ihn und verschwand.“

*Quelle: Emmy Rotth, Erinnerungen an Cäsar Flaischlen, Seite 46: „In den sonnigen Frühlingswanderungen durch den Tiergarten und den Grunewald entkeimten auch die ‚Rondos in Prosa‘, ‚Trag Rosen‘, ‚Zwischen Sommer und Herbst‘, ‚Der Hof‘, ‚Auch wir werden alt werden Hanni‘ … sowie die symbolische Morgenwanderung‘ und die besten ‚Singelieder‘, von denen schon einige Volkslieder geworden sind, wie z.B. das wohl schon zwanzigmal komponierte ‚Hab Sonne im Herzen‘, das ein Geburtstagsgruß an mich ist.“

 

Historische Postkarte "Hab Sonne im Herzen" Cäsar Flaischlen