Wie es zu dieser Homepage kam


Warum diese Homepage über den „Seelentröster“ unserer Großmütter und -väter?

Ganz einfach, weil ich neben meiner beruflichen Liebe zu guter Typografie, Büchern und Grafik auch einen gewissen Hang zu metaphysischen Deutungen habe.
In der Nacht vom 12. auf den 13. Mai 2000 hatte ich einen sehr intensiven Traum, der mich am darauffolgenden Morgen noch so verfolgte, daß ich aktiv werden und mich von den Anweisungen des Traumes leiten lassen mußte. Ich hatte geträumt, ich müsse, komme was wolle, zu einem Antiquitätenhändler ins Nachbardorf, denn dort warte eine Überraschung auf mich.
Da ich mich bis zu diesem Zeitpunkt immer auf meine Träume verlassen konnte, fuhr ich an besagtem Samstag im Mai 2000 die 10 km zu dem Trödler, jedoch „ohne Spur“, was ich denn suchen solle. Ich war zuvor noch nie in diesem Rangendinger Ladengeschäft, das in einer alten Fabrik am Rande der Starzel untergebracht war, gewesen.
Zwar bestachen mich die Zinkbadewannen, Kartoffelpressen, verrosteten Ich-weiss-nicht-wozu-ist-das-gut-Geräte sehr, aber dieses Sortiment konnte es wohl nicht gewesen sein.
Der nächste Weg führte mich zu einem Bücherregal, das ich wegen meiner Stauballergie höchst ungern aufsuchte, aber ich ließ mich von meiner Intuition leiten: Das erste Buch, das mir in die Hand fiel, war „Heimat und Welt“ (Berlin: Fleischel, 1917) von Cäsar Flaischlen. Der Name des Autors war mir nicht ganz unbekannt.

Anna Flaischlen-Abt *7.2.1884 † 1952

Anna Flaischlen-Abt *7.2.1884 † 1952

Ich hatte einmal eine mir sehr liebe, gebildete Tante, die in der Zeit als man noch Briefe schrieb, immer wieder Anekdoten über verstorbene Familienangehörige in ihre Briefe einstreute. So erinnerte ich mich an eine höchst abenteuerliche Geschichte über einen draufgängerischen Verwandten, der in Südamerika und der Türkei um die Jahrhundertwende ein großes Vermögen mit der Einführung von Elektrizitätswerken gemacht haben soll. Die Tante erwähnte auch einmal nebenbei, dass da ein Großwildjäger war — und dort ein Politiker (Egelhaaf, der Großonkel meines Vaters war Mitbegründer der Ur-Liberalen) — und dann hätte es in der Familie noch einen Literaten gegeben: den Cousin meiner Großmutter Anna Flaischlen-Abt. … So, und jetzt hatte ich das erste Mal ein Buch von Omas Vetter, Cäsar Flaischlen, in Händen.

Für 5 DM erstand ich das recht zerfledderte Bändchen und ließ zu Hause alle dringende Arbeit liegen, um mich in C.F. einzulesen. Was mich sehr ansprach, war seine Auffassung über Kunst, wie Kunst gelebt werden könnte, ohne sie zum Handwerk zu reduzieren.

Ich war zwar zunächst nicht überwältigt von dem Werk, erkannte C.F. aber als hochgebildeten Optimisten. Das machte mich neugierig, ich wollte mehr über ihn erfahren.
Als ich dann feststellte, daß C.F. am 12. Mai geboren war (in dieser Nacht hatte ich meinen Traum) und daß mein Lieblingsvetter ihm zum Verwechseln ähnlich sieht (Anmerkung für astrologisch Interessierte: dieser Cousin hat übrigens am 14. Mai Geburtstag) – und nicht zuletzt, daß uns C.F. heute nur noch über Antiquariate zugänglich gemacht werden kann, nahm ich meinen Traum als Zeichen, den alten Herrn für mich ins neue Jahrtausend zu retten. Dies ist der Hintergrund der vorliegenden Homepage.

Das Geschehen hat mich dann sehr beflügelt, als ich zwei Tage, nachdem die erste Seite im Netz war, einen Anruf von Boris Eggers erhielt und in ihm einen profunden Kenner des Flaischlenschen Werks kennenlernte. Unser erstes Treffen fand am Grab C.F.s auf dem Pragfriedhof statt. Viele weitere interessante und angenehme Begegnungen mit anderen Literaturfreunden, „gestiftet“ durch meinen Urahn, folgten (auch außerhalb von Friedhöfen). Ich denke, Cäsar Flaischlen wird mich auf meinem restlichen Lebensweg begleiten. Sein Werk habe ich sehr schätzen gelernt.

Auf der Ahnentafel lässt sich der älteste gemeinsame Vorfahr übrigens bis 1685,dem Geburtsjahr des Immanuel Flaischlen dem Jüngeren zurückverfolgen (Bortenmacher und Rottvorsteher, am 6.7.1730 zum Bürger von Ulm ernannt, gestorben 1750 in Ulm).

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Brigitte Abt-Harrer
im Sommer 2000.

 

(Überarbeitung / Anpassung an ein CMS im Mai 2015)