Mein Gehirn ist müde


Mein Gehirn ist müde

 

Mein Gehirn ist müde,
Herz und Hand erschlafft,
längst zu Asche glühte
alle Leidenschaft,

 

Mit versengten Flügeln
irrt ein dunkler Traum
geisterhaften Fluges
durch den öden Raum.

 

Tief im Nischenwinkel
an erloschenem Herd
kauert stumm ein Weibchen,
uralt, abgezehrt.

 

Im Getäfel hämmert
heiser eine Uhr,
wie ein hartes, krankes
Husten auf dem Flur.

 

Durch das blinde Fenster
zuckt ein Nordlichtschein,
und mit hohlem Lachen
grinst der Tod herein.

Cäsar Flaischlen (Aus Gesammelte Dichtungen.
Band 2: Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens. Stuttgart 1921, S. 20-21.)