Vita


Dr. Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Dr. Cäsar Otto Hugo Flaischlen 1864 – 1920

* 12. Mai 1864 in Stuttgart, † 16. Oktober 1920 im Sanatorium Horneck in Gundelsheim

 

Dr. Cäsar Otto Hugo Flaischlen war Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Lyriker und Mundartdichter.
(Pseud.: Cäsar Stuart), Schriftsteller, Redakteur, am 12.5.1864 geboren in Stuttgart als Sohn eines Offiziers, besuchte die Gymnasien in Ellwangen und Stuttgart, widmete sich zunächst dem Buchhandel, ebenda und in Brüssel und Bern, studierte dann in Berlin, Heidelberg, Leipzig, Freiburg, Zürich, promovierte 1889 zum Dr. phil. und siedelte 1890 nach Berlin über, wo er 1896 bis 1900 die Kunstzeitschrift „PAN“ redigierte.

Die Auflagen seiner Werke umfassten teilweise weit über hunderttausend Exemplare. Heimat und Welt erreichte z.B. 1916 180.000 und 1920 215.000, Von Alltag und Sonne erschien 1921 mit 224.000, 1937 bei 274.000, sodass man Cäsar Flaischlen als Bestsellerautoren der wilhelminischen Epoche bis zu der Zeit der Goldenen Zwanziger Jahre bezeichnen kann. Wolfgang Bunzel schreibt in „Das deutschsprachige Prosagedicht“, daß Von Alltag und Sonne die mit Abstand erfolgreichste deutschsprachige Prosagedichtsammlung ist.

Wie sehr Flaischlen im Bewußtsein der damaligen Zeit verankert war, zeigt z.B. ein kleines Ereignis 1912: Axel Springer wird am 2. Mai in Hamburg-Altona geboren. Sein voller Name lautet: Caesar Axel Springer. Der Caesar stammt dabei nicht vom gleichnamigen, römischen Kaiser, sondern von einem Dichter, den seine Mutter Ottilie sehr mochte: Caesar Flaischlen.

Online-Biografien:

Schloss Hornegg

Schloss Hornegg

Gestorben ist C.F. am 16.10.1920 im Sanatorium Horneck (frühere Schreibweise: „Hornegg“), Gundelsheim/Neckar, beerdigt wurde er am 20.10.1920 auf dem Stuttgarter Pragfriedhof. Das Ehrengrab (Abteilung 17, Nr. 5, Reihe 8) besteht noch heute.

Der Nachlass Flaischlens ist im Marbacher Literaturarchiv in 41 Kästen erfasst. „Mit dem Erwerb des Nachlasses von Cäsar Flaischlen 1930 kamen Handschriften von Dichtern, Künstlern und Gelehrten der Jahrhundertwende ( Theodor Fontane , Hugo von Hofmannsthal , etc.) in den Besitz des Archivs und Museums. Seine Bedeutung wuchs damit weit über die schwäbischen Grenzen hinaus.“

Veröffentlichungen zu seinem Leben:

  • Cäsar Flaischlen, Beitrag zu einer Geschichte der neueren Literatur, von Georg Muschner-Niedenführ, Egon Fleischel & Co / Berlin, 1903
  • Erinnerungen an Cäsar Flaischlen, von Emmy Rotth, Adolf Sponholz Verlag / Hannover
  • Cäsar Flaischlen. Kunst und Leben, von Gotthilf Stecher, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1924
  • Cäsar Flaischlen, Ein Essay von Frank Thieß, Egon Fleischel & Co / Berlin, 1914

 

 

 

waldorf

Aus einem Waldorf-Astoria-Heftchen, 1915/1916

Etwas über Cäsar Flaischlen

Wenn es den stärksten Wirkungsgrad und das reinste Glücksgefühl für einen Künstler bedeutet, zu wissen, daß er sich lediglich durch seine Kunst eine Gemeinde erworben habe, so kann Cäsar Flaischlen diese edlen Früchte seines Dichtens jetzt ganz und gar ernten. Denn er hat allerorten Freunde, denen in Lust und Leid seine weichen melodischen, freien rhythmischen Gebilde durch den Sinn schweben, beschwichtigend und beschwingend zugleich – fremde und vertraute Freunde, denen er Bücher geschenkt hat, die sie liebhaben und mit denen sie froh werden. “Ein kleines, kleines Buch, in dem nur stünde: wie schön der Sonnenschein über dem Garten draußen am See, mit den blühenden Rosen . . und wie schön das Lied der Vögel in den schattigen Baumwipfeln und wie schön der blaue Himmel über dem allen und seine weißen Wolken . . “, das zu schreiben ist Cäsar Flaischlens Wunsch gewesen. Er hat uns nicht nur “ein kleines, kleines Buch” geschenkt, sondern ein großes, tiefes Lebenswerk, das reiche starke dichterische Werte enthält, die nicht so leicht ausgeprägt und ausgeschöpft werden können.

Trotzdem entbehrt es eigentlich der tieferen Bedeutung, in erster Linie von Cäsar Flaischlens K u n s t zu sprechen. Denn die ihn und sein Werk lieben, lieben viel mehr seine menschliche Wesensart als sein künstlerisches Wesen. Er selbst hat stets mit Nachdruck betont, daß es ihm in seiner Kunst, wie in der Kunst überhaupt, auf den Lebensgehalt ankommt. Und darum konnte er sagen: “Wer als Mensch null ist, ist auch als Dichter null.” Der Künstler kann nichts anderes tun, als sich selbst geben. Sobald er daher ein überlegener Mensch ist, ist er auch höherer Künstler. Wer immer aus dem Umgang mit Cäsar Flaischlen oder aus seinen Büchern einigen Einblick in sein Wesen gewonnen hat, hat in der Tat ein reiches, reifes und reines Menschentum erkannt. Mögen immerhin ihm die Geschmäckler vorwerfen, daß er die Eigenarten der lyrischen, epischen und dramatischen Stile verwischt hat, eines können auch sie nicht leugnen: daß er überhaupt einen eigenen Stil zeigt.
Die drei großen Fragen der Menschenseele hat auch er auf seine Weise zu lösen gesucht: was wahre Liebe, was wahre Frömmigkeit und was wahre Kunst sei. In dem dramatischen Zyklus “Toni Stürmer”, “Martin Lehnhardt” und “Jost Seyfried” – der sich indes zu einem Roman wandelte – stehen diese Welt-Probleme im Vordergrund. Aber auch die Ereignisse und Erlebnisse des Alltags, das ewige Aufundab von Stunde zu Stunde, die hundert kleinen Was und Wie’s, die hundert kleinen Wohl und Wehe traten in den Kreis seines Schaffens.
Cäsar Flaischlen hat nicht den Krieg als den großen Erwecker gebraucht, um sich von der zunächst etwas trübmütigen Auffassung des Daseins zu befreien. Er ist Sonnenpreiser geworden, der seinem eigenen Glücke nicht im Wege stehen mag. Und da seine Sinne nicht stumpf geworden sind an den Kleinheiten und Kleinlichkeiten des Alltags, hat er die Größe des Daseins überall gefühlt. Er ist einer der weisen Dichter unserer Zeit, die überwunden haben, aber nicht überwunden worden sind. Darum sind seine Bücher heute zeitgemäßer als die vielen tausend, die auf dem Markt erscheinen. “Alltag und Sonne”, diese wunderbaren Gedichte in Prosa, ferner “Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens” und schließlich sein Roman “Jost Seyfried”, das sind Lebensbücher eines Träumers und Kämpfers, eines Siegers und Sängers, zu denen man in der jetzigen Zeit in voller Gewißheit greifen mag, daß man darin findet, was unser sturmzerissenes Herz verlangt. Denn über die künstlerischen Kräfte hinaus eignet Cäsar Flaischlen die Fähigkeit, seine Überzeugung zugleich in jener verbindlichen Form zu sagen, wie sie den großen ethischen Naturen eigen ist.
Darum steht neben seiner Lyrik gleichwertig seine Spruchdichtung. — Eine Sammlung dessen, war er in seiner die Herzen fest und froh machenden Weise zu dem ernsten Thema “Weltkrieg” in Vers und Prosa zu sagen und zu singen hat, ist am Beginn des Jahres unter dem Titel “Kopf-oben-auf, die Hand am Knauf, mein deutsches Volk . . Sonn’ auf!” Stimmen, Gestalten und Gedichte zum Krieg im Verlag von Egon Fleischel & Co., Berlin, der sämtliche Werke Cäsar Flaischlens verlegt hat, erschienen. Der Form nach lyrisch, innerlich aber beinahe dramatisch wirkend ist dieses Kriegsbuch eine der stärksten und eigenartigsten dichterischen Leistungen unserer Zeit.