Edith (Dillie) Flaischlen, geb. Klapp


*15. Januar 1879 † 22. Dezember 1957, Berlin

 

Aus: Lebensbilder aus Schwaben und Franken, 10. Band, W. Kohlhammer Verlag Stuttgart, 1966, Seite 443: Walter Hagen über Cäsar Flaischlen:

 

Aus dem Familienalbum: Edith (Dillie) Flaischlen, geb. Klapp und Cäsar Flaischlen

Aus dem Familienalbum: Edith (Dillie) Flaischlen, geb. Klapp und Cäsar Flaischlen

…Als Flaischlen die Riesenarbeit an dem Buch (Anmerk.: Das Buch unserer deutschen Dichtung) begann, überlegte er im stillen, ob sich nicht durch dessen Herausgabe die materielle Sicherung für einen eigenen Hausstand schaffen ließe. Er hatte eine junge Lehrerin kennengelernt, in der er die richtige Lebenskameradin erblickte. Als sich seine Arbeit ins Uferlose zu verlieren drohte, entschloß er sich zum Lebensbund. Am 5. März 1910 verheiratete er sich mit Edith, gen. Dillie geb. Klapp, Tochter eines Offiziers und einer englischen Mutter. Die Trauung, die in Hamburg stattfand, wurde von einem Onkel der Braaut gehalten. Die Hochzeitsreise ging nach Oberitalien. Nach der Heimkehr nach Berlin war es der jungen Frau eine Freude, an der von ihrem Mann begonnenen Arbeit mitzuwirken. Bald wurde eine größere Wohnung bezogen, die es möglich machte, gesellschaftliche Verpflichtungen zu erfüllen. Viel Jugend ging darin ein und aus, Studenten der Berliner Universität ebenso wie Anhänger der Jugendbewegung. Sie alle sahen in dem Dichter ein bewundertes Vorbild, dessen echter, reiner Idealismus sie begeisterte…

Flaischlens Tod löste überall das Gefühl echter Trauer aus. Wenn der letzte König, Herzog Wilhelm von Württemberg, in seinem Beileidstelegramm versicherte, Cäsar Flaischlen sei einer der von ihm am meisten geschätzten Dichter gewesen, so entsprach diese Feststellung durchaus der allgemeinen Überzeugung jener Zeit. Flaischlens Witwe, die ihren Mann lange überlebte, konnte im Jahre 1925 das „Buch unserer deutschen Dichtung“ wenigstens als Torso zum Druck bringen. 1943 gab sie einen Auswahlband unter dem Titel „Freude ist Leben“ heraus. Sie selbst blieb in Berlin wohnen, wo sie am 22. Dezember 1957 starb.

Link: Beileidschreiben zum Tod von Cäsar Flaischlen von Dr. Theodor Heuss an die Witwe

Die Urnenbeisetzung von Frau Dillie Flaischlen auf dem Pragfriedhof in Stuttgart war am 19. März 1958. Stadtpfarrer Dr. Werner Jetter, Gedächtniskirche Stuttgart hielt die Rede zur Beisetzung (Textauszug aus dem Archiv der Württembergischen Landesbibliothek, Familienpredigten):

„… Temperament und Fröhlichkeit können eine große Hilfe sein zum tapferen und aufgeschlossenen Leben. Das war ihr wohl von Kind an eigen und das hat sie in den 10 Ehejahren mit Cäsar Flaischlen so warm und eng verbunden und sie befähigt, seine aufopfernde Gehilfin zu sein in unermüdlicher Güte. Diese Jahre sind für sie zur Mitte geworden in ihrem 79jährigen Leben, und der lebendige, rege gebliebene Geist und tapfere Mut, der sie an den Gatten und sein Werk band und die Aufgeschlossenheit für Bücher und Bilder blieben auch in er sehr beeindruckenden Weise das Kennzeichen der alten Frau. Trotz der 38 Witwenjahre, die sie ganz der Mühe um das hinterlassene Werk verschrieb und trotz der beschatteten Notjahre im und nach dem Krieg blieb diese Güte und diese Aufgeschlossenheit ihr eigen. Und das macht gerade auch ihre Briefe aus diesen Jahren zu bewahrenswerten Dokumenten ihres Herzens, ihres Geistes und um es zum Schluss noch einmal mit diesem einen Psalmwort zu sagen: ihres von der Güte umfangenen Lebens…“