Karl Scheffler


Karl Scheffler

* 27. Februar 1869 in Hamburg † 25. Oktober 1951 in Überlingen

Aus: Karl Scheffler, „Die fetten und die mageren Jahre. Ein Arbeits- und Lebensbericht.“ Paul List Verlag, Leipzig, München 1946, S. 183 – 185

Im Grund schätzte Flaischlen weder die moderne Kunst noch die Zeitschrift „Kunst und Künstler„, woran er doch selbst beteiligt war. Spöttisch sprach er vom „Manet-Monet-Monomanismus“ und zog das Heimatkünstlerische vor. In der Redaktion wurde er umso schneller entbehrlich, als er seine Arbeit leicht nahm. Mit wehendem Havelock stürmte er im Vorübergehen auf die Redaktion, fragte nach, ob etwas vorläge, gab schnell ein paar Klischeegrößen an und verschwand. Da er dauernd in Geldbedrängnis war — der Erfolg seiner lyrischen Schriften kam erst später —, überredeten ihn seine Freunde, deren er viele hatte, ein Angebot des Scherl-Verlages anzunehmen, der eben damals den „Roten Tag“ herausbrachte und der für die Anordnung des Satzes und der Bilder eine Autorität brauchte. Flaischlen stimmte schließlich zu: „Ihr tötet meine Seele!“. Dann ging er mittags zu Kempinski und aß Austern, um seine Seele wieder in die richtige lyrische Fasson zu bringen. Als ein für Heiterkeit dankbarer Gesellschafter war er sehr beliebt. In den neunziger Jahren hatte er zu den revolutionären Naturalisten gehört, ohne jedoch Naturalist oder Revolutionär zu sein. Jedenfalls galt er als Vorurteilsloser, ein Ruf der dem Kindlich-Harmlosen seltsam zu Gesicht stand. Darum wirkte es stark auf ihn ein, als er beim Ausbruch des Krieges für eine Reihe patriotischer Gedichte den Kronenorden vierter Klasse erhielt. Fortan lag der Orden offen neben ihm auf dem Schreibtisch. Als Max Martersteig ihn dort liegen sah und ironisch schmunzelte, rief Flaischlen: „Ja, mein Lieber, ich hab‘ früher auch darüber gelacht, aber ich kann dir sagen: das ischt schon was, das ischt schon was!“ In meiner Erinnerung lebt dieser Mansardenbürger — er bewohnte lange das Dachgeschoß eines hohen Mietshauses in der Kurfürstenstraße und nannte diese Wohnung den „Turm“ —, dieser Lyriker für empfindsame Großstädter als guter Kamerad, der aber nicht zu oft und zu lange genossen werden konnte, als ein weicher Mensch, der sich selbst erträgliche Forderungen stellte, als ein Zeitgenosse, der oft dort zu finden war, wo er seiner Anlage und Neigung nach gar nicht sein mochte. Eine in die Asphaltwelt verirrte Spitzwegfigur.

Links:
Karl Scheffler (Wikipedia)