Otto Güntter


* 30. Oktober 1858 in Stuttgart, † 30. März 1949 in Marbach am Neckar

 

Aus: Otto Güntter , Mein Lebenswerk, Stuttgart 1948, veröffentlicht d. DSG; (17 – Seiten 206 und 207)

„Cäsar Flaischlen, 12. Mai 1864 bis 16. Oktober 1920.
Flaischlen, mit dem ich seit 1907 freundschaftlich verbunden war, überließ mir öfters Sonderdrucke und handschriftliche Gedichte, auch das Manuskript seiner Rede über „Schiller, der deutsche Gedanke und wir“. Sein Bruder und seine Schwester stifteten verschiedenes Handschriftliches, besonders aus Flaischlens Frühzeit, und seine Doktorarbeit über Otto von Gemmingen, ein Beitrag zur Geschichte des bürgerlichen Trauerspiels. 1930 wurde Flaischlens literarischer Nachlaß erworben. Seine Witwe ergänzte ihn später noch durch einzelne Stücke.

 

Der in ungewöhnlicher Vollständigkeit zusammengehaltene Nachlaß (Anmerkung: Literaturarchiv Marbach) umfaßt, außer einer Anzahl Bücher, die mit übergeben wurden, die Manuskripte seiner Werke, zum Teil von den ersten Entwürfen bis zur Reinschrift, den Korrekturbögen und der endgültigen Revision bis zum Druck in erlesener deutscher Schrift, und gewährt so einen vollen Einblick in die Art von Flaischlens Schaffen.

 

In seinen charakteristischen Schriftzügen liegen vor:

 

Nachtschatten, Gedichte, Fragmente, Tagebuchblätter eines Sonderlings von C.F. Stuart, 1884; die dramatische Dichtung Graf Lothar; Toni Stürmer, eine Jugendgeschichte in fünf Szenen; Im Schloß der Zeit; das Schauspiel Martin Lehnhardt, ein Kampf um Gott; Professor Hardtmut, Charaktergemälde; Flügelmüde, aus dem Leben eines Jeden; Von Alltag und Sonne, Gedichte in Prosa; Aus den Lehr- und Wanderjahren des Lebens, Gedichte in Versen; Jost Seyfried, ein Roman in Brief- und Tagebuchblättern; Zwischenklänge, Gedichte in Versen; Kopf-oben-auf! Stimmen, Gestalten und Gedichte zum Krieg, 1915; Heimat und Welt, ausgewählte Gedichte; Noni-Loni, Rede für ein kleines Mädchen; Mandolinchen und Leierkasten, ein Liederbuch; Von Derhoim ond Drauße, Dichtungen in schwäbischer Mundart, auch ins Hochdeutsche übertragen; Eine Helgolandfahrt; Von unseres Volkes Werden, Festspiel zur Hundertjahrfeier des Verlags B. G. Teubner; zahlreiche Gedichte; ein Bündel Aphoristisches; Tagebuchblätter; Merkbücher; Kopierbücher von 1895 bis 1915; Aufsätze über Goethe, Wieland, Mörike u.a., über Erziehung und Unterricht; Vom Herrenrecht unserer deutschen Schrift; Vorträge und Vorlesungen, so 1916 über Entwicklung, Wesen und Handwerk der Lyrik; das Manuskript Volksdichtung 1500 bis 1900, zu Flaischlens großem Literaturwerk, dem Buch der deutschen Dichtung.

 

Außerordentlich umfangreich ist auch der Briefwechsel. Er umfaßt rund 1350 Briefe von Flaischlen und mehrere Tausend an ihn, außerdem den Briefwechsel über Böcklins Tagebuch, 25 Briefe von Lichtwark an Otto Julius Bierbaum und 14 an Meier-Graefe. Aus der Zeit seiner Tätigkeit als Leiter der Kunstzeitschrift „Pan„, 1895 bis 1900, bewahrt Flaischlens Nachlaß 323 Manuskripte zeitgenössischer Dichter, Künstler und Kunstgelehrter.

 

Unter den Briefen an Flaischlen und den Einsendungen für „Pan“ befinden sich unter anderen solche von Lou Andreas-Salomé, Hermann Bahr, Peter Behrens, Hans Bethge, Franz Beyerlein, Otto Julius Bierbaum, Wilhelm Bode, Emanuel von Bodman, Wilhem Bölsche, Helene Christaller, Michael Georg Conrad, Lovis Corinth, Anna Croissanat-Rust, Adolf Damaschke, Maximilian und Elisabeth Dauthendey, Richard und Paula Dehmel, Max Dreyer, Walter Eggert-Windegg, Eduard Engel, Otto Ernst, Paul Ernst, Gustav Falke, Ludwig Finckh, Theodor Fontane, Elisabeth Förster-Nietzsche, Stefan George, Klaus Groth, Otto Güntter, Hans von Gumppenberg, Cornelius Gurlitt, Max Halbe, Walter Harlan, Heinrich Hart, Julius Hart, Otto Erich Hartleben, Karl Hauptmann, Karl Henckell, Theodor Heuß, Adolf Hildebrand, Peter Hille, Hugo von Hofmannsthal, Arno Holz, Max Klinger, Käthe Kollwitz, Walter Leistikow, Alfred Lichtwark, Max Liebermann, Detlev von Liliencron, Hermann Losch, Max Martersteig, Julius Meier-Fraefe, Alfred Mombert, Christian Morgenstern, Hans von Müller, Börries von Münchhausen, Georg von Ompteda, Emil Orlik, Wilhelm von Polenz, Wilhelm Raabe, Rainer Maria Rilke, Ferdinand von Sar, Hugo Salus, Wilhelm Schäfer, Richard Schaukal, Paul Scheerbart, Johannes Schlaf, Emil zu Schänaich-Carolath, Wilhelm von Scholz, Paul Schultze-Naumburg, F. Skarbina, Friedrich Spielhagen, Emil Strauß, Hans Thoma, Hugo von Tschudi, L. Tuaillon, Fritz von Uhde, Clara Viebig, Karl Gustav Vollmöller, Ernst von Wildenbruch, Heinrich Zerkaulen, Zobeltitz, Heinrich Zügel, Stefan Zweig u.a.

 

576 Feldpostbriefe an Flaischlen zeigen, wie sehr seine Werke im Felde gelesen und geschätzt wurden. Gestiftet wurden Briefe von Flaischlen an Theodor Heuss, erworben Briefe an Walter Harlan, Heinrich und Julius Hart, Otto Erich Hartleben, Hans von Müller u.a. Seine Briefe an mich wurden leider ein Opfer des S. 181 erwähnten Fliegerangriffs.

 

Bildnis: Flaischlens äußere Erscheinung ist vortrefflich festgehalten in einer Kohlezeichnung von Karl Bauer und in der Marmorbüste von Rudolf Stocker, der auf meine Veranlassung auch die Totenmaske abnahm. Dazu kommen ein Ölgemälde von G. L. Meyn, ein Steindruck nach diesem Bild und einer nach Zeichnung von Orlik, eine Bleistift- und eine Federzeichnung von F. Rumpf und Photografien aus allen Lebensaltern.“

 

Buchtipp: Otto Güntter , Mein Lebenswerk, Stuttgart 1948, veröffentlicht d. DSG;

Link: Otto Güntter (Wikipedia)